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Gemeinsames Foto von Michael Kingsley-Nyinah und Nico Kern

Bericht aus dem Kriegsgebiet Syrien – Direktor des UN-Hilfswerks UNRWA berichtet im Landtag

Im Rahmen der heutigen Sitzung des Ausschusses für Europa und Eine Welt hatte ich die Ehre, Herrn Michael Kingsley-Nyinah, den Direktor des UNRWA in Syrien, zu begrüßen. Das UNRWA  wurde im Jahr 1948 gegründet, um den Flüchtlingen des Palästinakrieges humanitäre Hilfe zu leisten. Heute unterstützt es ca. 4,6 Millionen Menschen in den Bereichen Ausbildung, Erziehung, medizinische Versorgung, Arbeit und Verbesserung der Infrastruktur. Finanziert wird die Arbeit der Hilfsorganisation durch finanzielle Zuwendungen, wie z.B. der EU oder des Landes NRW.

In seinem Vortrag vor dem Ausschuss berichtete Herr Kingsley-Nyinah über die Arbeit des UNRWA in Bezug auf die Gesundheitsversorgung von Binnenflüchtlingen im vom langjährigen Bürgerkrieg gezeichneten Syrien.

„Whoever designed the Syrian war, was designing it from the deepest parts of hell“

Mit etwa 4000 Mitarbeitern, viele davon Syrer oder Palästinenser, betreibt das UNRWA derzeit 23 medizinische Einrichtungen, unter anderem in Aleppo, Homs, Latakia und Damaskus. Dabei geraten die Einrichtungen und das Personal mmer wieder in die Schusslinie der Kriegsparteien.

Die Situation des Gesundheitssystems in Syrien ist katastrophal. Viele Kliniken sind zerstört, die medizinische Produktion ist nahezu zum Stillstand gekommen. Hatte Syrien vor dem Krieg noch eins der besten Gesundheitssysteme in der Region, kehren nun längst beseitigt geglaubte Krankheiten wie Polio, Masern und Typhus wieder zurück.

Da z.B. in Damaskus häufig nur 6 Stunden am Tag eine Stromversorgung besteht, werden die Einrichtungen des UNRWA mittels Generatoren mit Strom versorgt. Wenn sich das Personal der Hilfseinrichtung im Land bewegt, dann nur in gepanzerten Fahrzeugen. Zum Schutz z.B. vor Entführungen müssen die Einrichtungen bewacht werden.

„It is possible to do good things inside Syria!“

Dennoch betonte Herr Kingsley-Nyinah, dass es trotz aller Schwierigkeiten wichtig sei, die Menschen innerhalb Syriens nicht im Stich zu lassen. Eine stabile Gesundheitsversorgung sei ein wesentlicher Grund dafür, dass Menschen vor Ort bleiben. Es sei eine humanitäre Verpflichtung für die Weltgemeinschaft, den Menschen das Überleben in ihrer Heimat zu ermöglichen.

Daher stellte er auch in den Vordergrund, dass der Beitrag Nordrhein-Westfalens wichtig ist – so ermöglichten die Mittel aus NRW beispielsweise die Anschaffung für diagnostische Laborausrüstungen, die vor Ort dringend benötigt werden. In diesem komplexen und schwierig auflösbaren Konfliktszenario sei die humanitäre Intervention wichtig.

„Turkey’s role is pivotal, though not merely humanitarian…“

Den beteiligten Staaten und Konfliktparteien stellte der Direktor des UNRWA allerdings kein gutes Zeugnis aus. Keine Seite habe hier noch „clean hands“ und so lautete der dringendste Wunsch unseres Gastes auch: dieser Krieg muss endlich ein Ende finden!

Dem kann ich mich persönlich nur anschließen. Und daher muss man auch vorsichtig sein, dass sich hinter den humanitären keine militärischen Interventionen verbergen.