Der Klick für die gute Sache: Mit einem Klick die Welt verändern? (Teil III)

Teil I: Aktuelle politische Protestkultur

Teil II:  „Klicktivismus“: Bereicherung oder politische Selbstbefriedigung?

Fortsetzung:

Der wichtigste und vermutlich gewinnbringendste „Schatz“ der profitorientierten Plattformen wie Change.org ist der gigantische E-Mail Verteiler, über den Kampagnen Unterstützerinnen und Unterstützer bekommen. Gegen Bezahlung können NGOs und Hilfsorganisationen Nachrichten an die Nutzerinnen und Nutzer dieser Verteiler schicken. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass jemand, der gerade eine Petition gegen die Abholzung des Regenwaldes unterschrieben hat, bald darauf eine E-Mail zu einem ähnlichen Thema von einer anderen Organisation bekommt. Es lässt sich Geld mit unserem schlechten Gewissen verdienen.

Ein weiterer kritischer Aspekt im Hinblick auf Online-Petitionsplattformen wie Change.org ist, dass bei jedem Klick Daten preisgegeben werden, wie etwa der Account-Name oder Wohnort, und gleichzeitig Informationen an versteckte Werbeanalyse-Tools übermittelt werden. Außerdem folgen nach der Unterschrift einer Petition in der Regel weitere Kontaktaufnahmen, wie zum Beispiel die Bitte um das Teilen der Petition, ein Spendenaufruf oder die Bitte um Erlaubnis die Facebook-Kontakte einer Userin oder eines Users einsehen zu dürfen. Die bereits erwähnten E-Mail Verteiler, die gegen gutes Geld zugänglich gemacht werden, müssen auch in diesem Zusammenhang gesehen werden. Für das Gefühl, nicht tatenlos zusehen zu müssen, tauschen wir bereitwillig unsere Daten ein. Doch handelt es sich hierbei wirklich um einen guten Tausch?

In vielen Hauptstädten der Welt hat sich das Berufsbild des/der Online-Kampagnenmanagers/-in herausgebildet. Diese verschicken Pressemitteilungen zu bestimmten Petitionen, pflegen den Kontakt zu den Userinnen und Usern der Plattform und machen Marktanalysen. Diese Fähigkeiten kann man heutzutage in einem der zahlreichen Campaign Bootcamps lernen, wo Interessierte sich in aller Tiefe mit verschiedenen Onlinestrategien und deren Funktionsweisen auseinandersetzen können. Eine der zentralen Aufgaben dieser Online-Kampagnenmanagerinnen und –manager ist es, die Wirksamkeit einer Kampagne zuerst an einer kleinen Testgruppe von Menschen auszuprobieren. Sollten sich nicht genügend Menschen zu einem Thema melden und Interesse zeigen wird es fallen gelassen, ganz gleich wie wichtig das Thema vielleicht sein mag. Bei der Plattform Avaaz.org werden mögliche Kampagnen zunächst an 10.000 Mitglieder geschickt, und wenn die Resonanz gut ist, dann wird die Kampagne ausgearbeitet und an den weltweiten Verteiler geschickt. Wenn die Userinnen und User also nicht mit Kindersoldatinnen und –soldaten oder HIV-Waisen konfrontiert werden möchten, dann werden sie es auch nicht.

Hier liegt eine Gefahr, dass dies zu politischen Filterbubbles und neuen Gatekeepern führt, die wir eigentlich mit dem Internet überwinden wollten. Das scheint aber bloß ein frommer Wunsch zu sein…

Morgen erscheint der letzte Teil.

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