Der Klick für die gute Sache: Mit einem Klick die Welt verändern? – Teil II

(Gestern erschien Teil I: Politische Beteiligungsformen online)

Fortsetzung:

Es wird in diesem Zusammenhang häufig von „Klick-Aktivismus“, „Klicktivismus“ oder „Fünf-Minuten-Aktivismus“ gesprochen, da die Unterstützung eines bestimmten politischen Anliegens oder das politische Engagement eines „Klicktivisten“ meist mit einem Klick, einem Kommentar oder einer geteilten Botschaft enden. Frei nach dem Motto: Unterschreiben, teilen und fertig ist das politische Engagement für heute. Das gute Gewissen konnte per Mausklick befriedigt werden, andere haben gesehen, das man etwas Gutes getan hat (Stichwort Selbstinszenierung) und dafür war nur minimaler persönlicher Einsatz notwendig.

Echter Aktivismus ist tatsächlich seltener. Dies bestätigt die NEON-Umfrage aus dem Jahr 2014, die aufzeigt, dass mehr als 50% der Deutschen zwischen 18-35 Jahren bereits eine Online-Petition unterstützt haben, wohingegen nur ein Drittel dieser Altersgruppe schon mal an einer Straßendemonstration teilgenommen haben.

Darüber hinaus verlaufen etliche Online-Petitionen und Kampagnen im Sand oder bleiben wirkungslos. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Online-Kampagne für ein Asyl für den Whistleblower Edward Snowden in Deutschland.

Ein bislang in der Debatte um Online-Petitionen vernachlässigter Aspekt ist jener, dass hier von  einem Markt des Online-Protests gesprochen werden muss. Anders als bei der 2004 gegründeten Online-Kampagnen Plattform Campact.de, die 1,5 Millionen Mitglieder hat, unabhängig ist, sich ausschließlich über Spenden und Förderbeiträge finanziert und als gemeinnütziger Verein eingetragen ist haben andere Akteure bereits verstanden, dass sich mit dem schnellen Klick auch schnelles Geld verdienen lässt.

So zum Beispiel die größte Petitionsplattform der Welt, Change.org, die weltweit mehr als 85 Millionen Mitglieder in 196 Ländern zählt und somit zu den Marktführern im Bereich des Online-Aktionismus gehört. Change.org ist keine gemeinnützige Organisation, sondern ein Start-up Unternehmen und finanziert sich durch Kooperationen mit NGOs und Hilfsorganisationen. Dies erfolgt zu einem Großteil durch personalisierte und perfekt zugeschnittene Werbung, ähnlich wie bei Google oder Facebook. Aufbauend auf der Entscheidungshistorie einer Userin oder eines Users öffnen sich beim nächsten Besuch der Seite  Pop-up Fenster mit Spendenaufrufen oder Informationen zu Aktionen von bestimmten NGOs mit individuell zugeschnittenen Themen. Ähnlich der bekannten Vorgehensweise: Kunden, die Produkt X gekauft haben, kauften auch Produkt Y.

Morgen erscheint Teil III: Protest als Geschäftsmodell.

 

 

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